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Geschichte der Musikvereinigung Kelheim

Wie alles begann...

Dr. Christoph Lickleder 2009 - Herz und Seele der Musikvereinigung KelheimDr. Christoph Lickleder 2009 - Herz und Seele der Musikvereinigung Kelheim

Die Musikvereinigung Kelheim gibt es seit 1968. Damals noch Student an der Münchner Musikhochschule gründete Christoph Lickleder einen gemischten Chor, der sich in erster Linie der Oratorien und Messen aus Barock, Klassik und Romantik annahm.

Lickleder erkannte hier einen Bedarf für Kelheim und die Region. Angestachelt war er durch die Musica Sacra im nahe gelegenen Kloster Rohr. Ernst Schwarzmeier trat hier mit dem Chor und dem Orchester des Collegium musicum Regensburg auf. 

Erstes Konzert des Chores der Musikvereinigung mit Orchester in der Klosterkirche Weltenburg 1968 © Josef HerzigErstes Konzert des Chores der Musikvereinigung mit Orchester in der Klosterkirche Weltenburg 1968 © Josef Herzig

So fand das erste Konzert am 30. Juni 1968 in der Klosterkirche Weltenburg statt. Hauptwerk war die Nelson-Messe von Joseph Haydn. Dazu brauchte man natürlich Solisten und ein Orchester. Dieses setzte sich aus Laien aus dem Landkreis Kelheim und Profis aus München, darunter Studenten der Musikhochschule, zusammen. Von der Presse wurde das erste Konzert mit guten Rezensionen bedacht. Der heutige Präsident der Technischen Universität München, Wolfgang A. Herrmann, griff für die Mittelbayerische Zeitung zur Feder und gab für die Fortführung der Kirchenmusik ermunternde Impulse. 

Die Konzerte in den folgenden Jahren wurden von den Besuchern sehr gut angenommen. Es folgten Direktübertragungen von Gottesdiensten aus Kelheim, Bettbrunn und Riedenburg am Bayerischen Rundfunk und am Deutschlandfunk. Mittlerweile brauchte man ein festes Orchester, das man in den Streichern des Regensburger Solistenensembles, dem späteren Kammerorchester Regensburg, und Bläsern des Städtischen Orchesters Regenburg fand. 

Der Blechschaden, die Kultband der Münchner Philharmoniker im Bräuhaussaal © Erich StauberDer Blechschaden, die Kultband der Münchner Philharmoniker im Bräuhaussaal © Erich Stauber

Der Erfolg der Darbietungen zog Auftritte in Mallersdorf, Beratzhausen, Bettbrunn, Altmannstein, Burglengenfeld, Hohenfels, Riedenburg und Kösching nach sich.

Oratorien und Messen in der Stadtpfarrkirche Kelheim bildeten den Grundstock. Der Chor war das feste Standbein.

Seit 1979 wurde auch der Festsaal des Weißen Bräuhauses Kelheim genutzt, um Sinfoniekonzerte zu veranstalten. 

Wie es weiterging...

Münchener Kammersolisten in der Kreissparkasse Kelheim_© Lorenz ErlMünchener Kammersolisten in der Kreissparkasse Kelheim_© Lorenz Erl

Im Jahr 1981 kam die große musikalische Stunde Kelheims. Die Gestaltung der 800-Jahrfeier stand an. Lickleder nahm zu einem Mitglied der Münchner Philharmoniker Kontakt auf. Ein Sinfonierorchester mit 46 Musikern wurde zusammengestellt. Mozarts Exsultate, jubilate, Mendelssohns E-Moll Violinkonzert mit Konzertmeister Angel-Jesus Garcia als Solisten und Beethovens Siebte standen auf dem Programm. 1000 Zuhörer in der Kelheimer Dreifachturnhalle wurden Zeugen eines musikalischen Erlebnisses, das große Folgen bis zum heutigen Tag haben sollte und auch tatsächlich hat.

Zum 25-jährigen Jubiläum der Musikvereinigung Kelheim konnte der damalige Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, August Everding, als Festredner gewonnen werden. Er sprach über Kultur in der sogenannten Provinz. Sreten Krstić spielte in Mendelssohns großem Violinkonzert den Solopart, ferner kamen Mozarts C-Dur Sinfonie, KV 338, und Beethovens 8. Sinfonie zur Aufführung.

Gasteig-Orchester München in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Kelheim © Erich StauberGasteig-Orchester München in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Kelheim © Erich Stauber

Kelheim war der Start für eine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit den Münchnern, aus juristischen Gründen gab man dem Ensemble den Namen Gasteig-Orchester München. Das Geheimnis für diesen Erfolg bestand darin, als Solisten für die Instrumentalkonzerte die Konzertmeister und Solobläser der Philharmoniker einzuladen. So konnte Lickleder hervorragende Musikerinnen und Musiker um sich scharen in Besetzungen bis zu 80 Mitwirkenden - man denke hier an die Fünfte von Tschaikowsky anlässlich der ersten Kulturtage der Stadt Kelheim im Jahr 2001. Seit 1983 konnte Lickleder mit dem Gasteig-Orchester München vorwiegend Städte in Altbayern bereisen und die Kelheimer Programme wiederholt zur Aufführung bringen. Die Unterstützung der Münchner war Lickleder immer sicher, er verspürte geradezu eine Begeisterung seitens der Musizierenden, was sich auf die Ausweitung der zu spielenden Literatur auswirkte.

Die Aufzählung aller aufgeführten Werke und der Solisten würde den Rahmen dieses Rückblicks sprengen.
Bruckners Te Deum, Mozarts Große Messe in C-Moll und die Krönungsmesse, Dvořáks Stabet Mater, Haydns Schöpfung, Brahms’ Deutsches Requiem, Mendelssohns Elias und Lobgesang, Schuberts As-Dur Messe, Beethovens C-Dur Messe, Gounods Cäcilienmesse u.a wurden jetzt natürlich vom Gasteig-Orchester begleitet. Ein unheimlicher Qualitätsschub setzte ein. Stadtpfarrer Hans Maier stellte die Stadtpfarrkirche wohlwollend zur Verfügung. Ihre ausgezeichnete Akustik und das Raumangebot machte diese Kirche zu einer idealen Aufführungsstätte für große Messen, Oratorien und Sinfonien, was die vorhandenen CD-Aufnahmen bezeugen. 2006 übertrug das ZDF einen Sonntags-Gottesdienst live aus der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Beeindruckende Aufführungsstätten in Kelheim

Blick zur Franziskaner-Klosterkirche Kelheim_© Manja WolfBlick zur Franziskaner-Klosterkirche Kelheim_© Manja Wolf

Auch die Kammermusik mit den verschiedensten Ensembles der Münchner Philharmoniker und anderer Formationen erlebte in Kelheim eine große Zeit. Aufführungsorte wie die Franziskanerkirche, die evangelische Stadtkirche St. Matthäus, der Brunnenhof im Landratsamt und im Rathaus Kelheim, der Innenhof des Ziegleranwesens am Ludwigsplatz sowie das Archäologische Museum, der Deutsche Hof, der Jugendstilsaal im Gasthaus zum Schwan, das Verwaltungsgebäude der Kreissparkasse Kelheim, die Schalterhalle am Ludwigsplatz, die Aula und Schulturnhalle des Donau-Gymnasiums und das Kelheimer Kinocenter wurden zu gut angenommenen Herbergen der Musik.

Chor der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater München in der Befreiungshalle_© Klaus PeinhauptKonzert in der Befreiungshalle_© Klaus Peinhaupt

Auch der Unterbau der Befreiungshalle und die Halle selbst boten der Musikvereinigung hervorragende Aufführungsstätten, wie dies auch die 150-Jahrfeier der Befreiungshalle im Jahr 2013 eindrucksvoll bewies. Hier waren auch zeitgenössische Komponisten mit Uraufführungen zu Ehren König Ludwig I. am Werk. Musikalische Erlebnisse in einem überwältigenden Ambiente. Mehr Moderne hätte den Programmen der Musikvereinigung manchmal ganz gut getan, aber die GEMA…

Schloss Eggersberg in Riedenburg, Ortsteil ObereggersbergSchloss Eggersberg in Riedenburg, Ortsteil Obereggersberg

Im Landkreis Kelheim wurden folgende Orte bespielt: Schloss Eggersberg, Schloss Herrngiersdorf, Schloss Ratzenhofen, der Christl-Saal und die Aula der Grundschule in Mainburg, die Pfarrkirche Essing, die Werkhalle der Kelheimer Naturstein GmbH Essing, der Kursaal in Bad Abbach, der Bürgersaal Neustadt, der Klostergarten in St. Anna Riedenburg und die dortige Schulturnhalle.

Bekannte Musikernamen 

Der Blechschaden, die Klazz-Brothers, das Brass Ensemble des Bayerischen Rundfunks, Power Percussion, die Big-Band der Bundeswehr, Brass Unlimited, die Philharmonischen Solisten München, die Kammersolisten München, das Belgrader Kammerorchester, Hugo Strasser mit seiner Hot Five und Max Greger, das Johann-Strauß-Ensemble München, Senta Berger und Michael Lerchenberg, die Singphoniker, die Rockgruppe Einshoch 6, das Landes-Jugendjazzorchester Bayern, das Renner-Ensemble Regensburg, das Vokal-Ensemble München, der Konzertchor der Hochschule für Kirchenmusik und Pädagogik Regensburg, verschiedene Formationen der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater München, das Bayerische Polizeiorchester und zahlreiche Ensembles vom Duo bis zum Oktett waren zu Gast in Kelheim.

In Riedenburg etablierte sich die Konzertreihe „Domorganisten zu Gast”. Der weltberühmte Tenor Peter Schreier gab 2002 im Festsaal des Weißen Bräuhauses Kelheim einen Liederabend. Die Musikvereinigung nahm sich auch der Würdigung des Kelheimer Komponisten Pater Theodor Grau in Gedenkveranstaltungen und Konzerten an.

Treue Konzertbesucher und Sponsoren

Lickleder schaut nicht stolz zurück, sondern dankbar. Gerade in der Kunst gibt es nichts, was nicht besser gemacht werden könnte. Mit dieser Erkenntnis und Demut blickt er in die Zukunft und dankt allen, die die Musikvereinigung  und ihr Angebot getragen haben. Dieses Gemeinschaftswerk soll weiter leben.

So seien heute der Stadt und dem Landkreis Kelheim, dem Bezirk Niederbayern und dem Bayerischen Kunstministerium mit seinem Kulturfonds für die langjährige Förderung gedankt. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen privaten Unterstützer, Firmen und Institutionen - hier ist der Kulturförderverein Kelheim und Umgebung e.V. hervorzuheben - ohne die manches Projekt nicht hätte realisiert werden können. Auch die Bayerische Volksstiftung ist der Musikvereinigung beigestanden und hat ihr Wirken abseits der Kulturhauptstadt München gefördert.

Die Musikvereinigung und Lickleder wurden gleichsam von der Bevölkerung, den Konzertbesuchern und den Sponsoren, getragen. Volle Säle, Kirchen und Spielstätten waren so für die Geldgeber Ansporn, musikalische Großunternehmen zu unterstützen.

So kann es weitergehen...

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